Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Deutschlands Zukunft liegt nicht darin, das Silicon Valley zu kopieren, sondern in der intelligenten Konvergenz neuer Technologien mit seiner bestehenden Industrie-DNA.

  • Die größte Chance besteht in der Transformation vom reinen Hardware-Verkäufer zum Anbieter technologiebasierter Dienstleistungen („Servitization“).
  • Additive Fertigung (3D-Druck) und KI ermöglichen dezentrale Produktionsmodelle und „virtuelle Warenlager“, die Lieferketten revolutionieren.

Empfehlung: Analysieren Sie, wo die Konvergenz von Daten, Software und physischer Produktion in Ihrer Branche neue Dienstleistungsmodelle schaffen kann, statt nur Produkte zu optimieren.

Die Diskussion über die technologische Zukunft Deutschlands ist oft von einem Gefühl der Dringlichkeit und einem Hauch von Pessimismus geprägt. Man blickt auf die USA, auf China und warnt, den Anschluss bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz oder Quantencomputing zu verlieren. Die üblichen Rezepte – mehr Wagniskapital, eine lebendigere Gründerkultur – sind zwar richtig, greifen aber zu kurz. Sie übersehen die eigentliche, monumentale Chance, die sich für eine Industrienation wie Deutschland bietet.

Die wahre Revolution findet nicht in isolierten technologischen Silos statt. Sie entsteht an den Schnittstellen, wo verschiedene Technologien miteinander verschmelzen. Es geht nicht darum, das nächste globale soziale Netzwerk zu bauen. Es geht darum, die physische Welt, in der Deutschland Weltmeister ist – Maschinen, Chemie, Mobilität –, mit den neuen digitalen Werkzeugen neu zu programmieren. Die zentrale These dieses Artikels ist daher provokant: Deutschlands größte Chance liegt nicht darin, auf einzelne Hype-Technologien zu setzen, sondern in der **systematischen „Servitization“ seiner Industrie** – der Wandel vom Produktverkäufer zum Dienstleister –, angetrieben durch die **Konvergenz** von KI, additiver Fertigung und Biotechnologie. Dies ist kein Plädoyer für inkrementelle Verbesserung, sondern für eine radikale Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

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Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Technologiefelder, die diese Transformation ermöglichen. Wir beginnen mit den fundamentalen Bausteinen, tauchen in konkrete Anwendungsfälle vom Smart Home bis zur Industrie 4.0 ein und zeigen, wie Deutschlands traditionelle Champions ihre Zukunft sichern können, indem sie die Signale des Wandels richtig deuten.

Inhaltsverzeichnis: Die technologische Neuausrichtung Deutschlands

Die Bausteine der Zukunft: Eine verständliche Erklärung der disruptiven Technologien, die unsere Welt verändern werden

Um die Zukunft zu gestalten, müssen wir zunächst ihre Werkzeuge verstehen. Disruptive Technologien sind keine isolierten Phänomene, sondern Bausteine, deren wahre Kraft sich erst in der Kombination, der **Konvergenz**, entfaltet. Anstatt eine endlose Liste von Buzzwords zu rezitieren, konzentrieren wir uns auf drei Kernbereiche, die als Katalysatoren für die nächste Dekade fungieren: Künstliche Intelligenz (KI), additive Fertigung und synthetische Biologie.

KI ist mehr als nur Software; sie ist die Fähigkeit, aus Daten zu lernen und autonome Entscheidungen zu treffen. Für Deutschland, eine Nation der Ingenieure und Prozesse, bedeutet KI die Chance, nicht nur Maschinen zu optimieren, sondern ganze Wertschöpfungsketten vorausschauend zu steuern. Die additive Fertigung, bekannt als 3D-Druck, bricht mit dem jahrhundertealten Prinzip der subtraktiven Herstellung. Anstatt Material abzutragen, werden Produkte Schicht für Schicht aufgebaut, was eine bisher ungekannte Designfreiheit und die dezentrale Produktion komplexer Teile ermöglicht. Die synthetische Biologie schließlich behandelt DNA wie einen programmierbaren Code, um Organismen mit neuen Fähigkeiten zu schaffen – von der Herstellung biobasierter Materialien bis hin zu zellulären Therapien. Eine aktuelle Analyse unterstreicht das immense ökonomische Gewicht: Allein für Deutschland beträgt das ungenutzte KI-Potenzial rund 410 Milliarden Euro an zusätzlichem BIP-Wachstum.

Das Problem ist nicht das Fehlen der Technologie, sondern oft die zögerliche Adaption. Wie der IW-Direktor Michael Hüther treffend bemerkt:

Deutschland lässt zu viel Potenzial liegen. Man müsse keine Wunder vollbringen, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Es genüge, vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Bildung zu anderen Nationen aufzuschließen.

– Michael Hüther, IW-Direktor

Die eigentliche Vision entsteht, wenn man diese Bausteine kombiniert: KI-gestützte Designprozesse schaffen optimierte Bauteile, die lokal per 3D-Druck gefertigt werden. Oder: KI analysiert biologische Daten, um maßgeschneiderte medizinische Behandlungen zu entwickeln, die durch synthetische Biologie realisiert werden. Hier liegt der Schlüssel zur Neudefinition ganzer Industrien.

Um das transformative Potenzial dieser Technologien wirklich zu erfassen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die fundamentalen Bausteine der Zukunft.

Jenseits von Alexa: Was ein wirklich intelligentes Zuhause im Jahr 2025 in Deutschland können muss

Das heutige „Smart Home“ ist oft nicht mehr als eine Ansammlung ferngesteuerter Geräte. Die wahre Intelligenz entsteht jedoch nicht durch Sprachbefehle, sondern durch proaktive, unsichtbare Dienstleistungen, die das Leben der Bewohner verbessern. Ein intelligentes Zuhause im Jahr 2025 ist kein Gadget-Friedhof, sondern ein integriertes Ökosystem, das auf Gesundheit, Energieeffizienz und Sicherheit optimiert ist. Es wandelt sich von einem passiven Gebäude zu einem aktiven Dienstleister für das Wohlbefinden seiner Bewohner.

Stellen Sie sich vor: Sensoren im Boden erkennen ein verändertes Gangbild eines älteren Bewohners und melden frühzeitig ein erhöhtes Sturzrisiko an Angehörige oder einen Pflegedienst. Das Haus reguliert nicht nur die Heizung basierend auf der Wettervorhersage, sondern optimiert den Energieverbrauch anhand der dynamischen Strompreise und des Ladezustands des E-Autos in der Garage. Die Luftqualität wird permanent überwacht und die Lüftung so gesteuert, dass Allergene und Schadstoffe minimiert werden. Dies ist der Kern der **“Servitization“ im Wohnbereich**. Der Fokus verschiebt sich vom Verkauf von Thermostaten und Lampen hin zum Angebot von „Gesundheits-as-a-Service“ oder „Energie-Management-as-a-Service“.

Dieser Trend wird durch einen schnell wachsenden Markt untermauert. Für Deutschland wird bei Smart Homes mit einem Wachstum von über 104 % bis 2028 gerechnet. Diese Entwicklung verändert auch die Rolle traditioneller Akteure, wie der GdW Gesamtverband der Wohnungswirtschaft in einer Studie hervorhebt:

Die Rolle der Wohnungsunternehmen wird sich vom Gebäudeverwalter zum ‚Dienstleister für das Wohnen‘ weiterentwickeln.

– GdW Gesamtverband der Wohnungswirtschaft, Studie Wohntrends 2030

Für Unternehmer und Investoren bedeutet das: Die größten Chancen liegen nicht in der nächsten smarten Glühbirne, sondern in den Plattformen und KI-gesteuerten Diensten, die Daten aus verschiedenen Quellen (Gesundheit, Energie, Mobilität) intelligent zusammenführen und daraus konkreten, messbaren Mehrwert für die Bewohner schaffen.

Mehr als nur Automatisierung: Wie „Industrie 4.0“ die Arbeit in deutschen Fabriken verändert

Der Begriff „Industrie 4.0“ wird oft fälschlicherweise auf die reine Automatisierung von Produktionsprozessen reduziert. Doch sein wahres disruptives Potenzial liegt viel tiefer: Es geht um die **Auflösung traditioneller Lieferketten** durch die Konvergenz von physischer und digitaler Welt. Die Fabrik der Zukunft ist keine isolierte Einheit mehr, sondern ein flexibler, datengesteuerter Knoten in einem globalen Netzwerk. Die Arbeit darin wird weniger von repetitiven manuellen Tätigkeiten und mehr von der Zusammenarbeit zwischen Mensch und intelligenten Systemen geprägt sein.

Diese Kollaboration zwischen Facharbeiter und Cobot (kollaborativer Roboter) ist ein Sinnbild des Wandels. Anstatt den Menschen zu ersetzen, erweitern diese Systeme seine Fähigkeiten. Der erfahrene Werker wird zum Dirigenten, der komplexe Aufgaben an seine robotischen Assistenten delegiert, die Qualität überwacht und Prozesse optimiert. Es geht um die Kombination aus menschlicher Erfahrung und maschineller Präzision.

Facharbeiter und Cobot arbeiten Hand in Hand in moderner Produktionshalle

Ein Paradebeispiel für diesen fundamentalen Wandel hin zu neuen Geschäftsmodellen ist das Konzept des „virtuellen Warenlagers“. Anstatt Tausende von Ersatzteilen physisch zu lagern, werden nur noch die digitalen Baupläne vorgehalten. Bei Bedarf wird das benötigte Teil per 3D-Druck genau dort gefertigt, wo es gebraucht wird – sei es direkt in der Fabrik oder bei einem Servicepartner vor Ort.

Fallstudie: DB Schenker und das virtuelle Warenlager

Als einer der ersten globalen Logistiker bietet DB Schenker die Lieferung von Ersatzteilen über ein virtuelles Warenlager mittels 3D-Druck an. Physische Lagerkosten und lange Lieferzeiten entfallen. Die Produkte sind in kürzester Zeit verfügbar und werden dezentral produziert. Dieses Modell ist ein perfektes Beispiel für die „Servitization“ im deutschen Mittelstand: Der Fokus verschiebt sich vom reinen Transport hin zur Bereitstellung einer On-Demand-Fertigungsdienstleistung.

Dieser Ansatz reduziert nicht nur Kosten und Stillstandzeiten drastisch, sondern transformiert das Geschäftsmodell von Logistikern und Herstellern grundlegend. Sie verkaufen keine Teile mehr, sondern garantierte Verfügbarkeit – ein klassisches **Servitization-Modell**.

Die Fabrik zu Hause? Wie der 3D-Druck die Produktion demokratisiert und was das für Konsumenten bedeutet

Die additive Fertigung, oder 3D-Druck, ist die Schlüsseltechnologie hinter Konzepten wie dem „virtuellen Warenlager“. Ihre wahre Sprengkraft liegt jedoch in der **Demokratisierung der Produktion**. Jahrzehntelang war die Herstellung komplexer Güter kapitalintensiven Fabriken mit teuren Werkzeugen und langen Vorlaufzeiten vorbehalten. Der 3D-Druck kehrt dieses Paradigma um: Komplexität wird praktisch kostenlos, und die Produktionsmittel werden zugänglicher und dezentraler als je zuvor.

Dies hat weitreichende Folgen. Für Unternehmen bedeutet es die Fähigkeit, hochgradig individualisierte Produkte in kleinen Losgrößen wirtschaftlich herzustellen – von maßgeschneiderten medizinischen Implantaten bis hin zu personalisierten Konsumgütern. Für Konsumenten bedeutet es potenziell das Ende der Massenware. Anstatt ein Produkt von der Stange zu kaufen, könnten sie in Zukunft eine Lizenz für ein Design erwerben und es bei einem lokalen 3D-Druck-Dienstleister oder sogar zu Hause fertigen lassen. Die Macht verschiebt sich vom Produzenten zum Konsumenten, der zum „Prosumer“ wird.

Dass dies längst keine Science-Fiction mehr ist, beweist die Deutsche Bahn. Als Vorreiterin in der Industrie zeigt die DB mit mehr als 200.000 3D-gedruckten Ersatzteilen seit 2015, wie die Technologie die Instandhaltung revolutioniert. Schwere Kopfstützen, Kleiderhaken oder Lüftungsgitter werden nicht mehr aufwändig nachbestellt, sondern bei Bedarf gedruckt. Stefanie Brickwede, die Leiterin des Konzernprojekts 3D-Druck bei der DB, fasst den Nutzen prägnant zusammen:

Mit Hilfe von 3D-Druck können wir benötigte Ersatzteile buchstäblich auf Knopfdruck zur Verfügung stellen. Davon profitieren unsere Kund:innen, denn wir bringen Züge dadurch schneller wieder zurück auf die Strecke.

– Stefanie Brickwede, Leiterin Konzernprojekt 3D-Druck, Deutsche Bahn

Diese Entwicklung von On-Demand-Ersatzteilen ist nur der erste Schritt. In der nächsten Dekade werden wir erleben, wie diese **dezentralen Fertigungsnetzwerke** immer dichter werden und die Art und Weise, wie wir Produkte entwerfen, herstellen und konsumieren, von Grund auf verändern.

Deutschlands Champions im Wandel: Wie der Maschinenbau und die Chemieindustrie ihre Zukunft durch Innovation sichern

Der deutsche Maschinenbau und die Chemieindustrie sind die traditionellen Kronjuwelen der deutschen Wirtschaft. Doch in einer Welt, die von Software und Daten angetrieben wird, müssen auch diese Champions ihre Geschäftsmodelle neu erfinden, um relevant zu bleiben. Die gute Nachricht: Die neuen Technologien sind kein Feind, sondern der größte Verbündete, um die bestehende **Industrie-DNA neu zu programmieren** und den Wettbewerbsvorsprung auszubauen.

Im Maschinenbau liegt der Wandel in der bereits erwähnten **Servitization**. Eine Maschine wird nicht mehr nur als Stück Hardware verkauft, sondern als Plattform für Dienstleistungen. Mittels IoT-Sensoren werden Betriebsdaten in Echtzeit erfasst und mit KI analysiert, um vorausschauende Wartung („Predictive Maintenance“) anzubieten und Ausfallzeiten zu minimieren. Der Hersteller verkauft nicht mehr die Maschine, sondern eine garantierte Produktionskapazität („Uptime-as-a-Service“). Die additive Fertigung spielt auch hier eine zentrale Rolle, wie eine VDMA-Studie zeigt: Bereits 2018 nutzte etwa die Hälfte der Maschinenbau-Unternehmen 3D-Druck, ein enormer Anstieg gegenüber nur 8 % zwei Jahre zuvor. Sie fertigen damit nicht nur Prototypen, sondern auch Werkzeuge, Ersatzteile und Serienbauteile.

Pioniere aus dem deutschen Mittelstand wie die FKM Sintertechnik GmbH, die 2024 als TOP-100-Innovator ausgezeichnet wurde, zeigen, wie es geht. Seit 1994 im Bereich der additiven Fertigung tätig, positionieren sie sich als führende Dienstleister in einem Markt, dem ein jährliches Wachstum von fast 18 % prognostiziert wird. Sie sind der Beweis, dass die Zukunft nicht nur den großen Konzernen gehört.

Ihr Aktionsplan: Erfolgsfaktoren für den deutschen Maschinenbau

  1. Prototyping & Werkzeuge: Implementieren Sie 3D-Druck für die schnelle Erstellung von Prototypen und maßgeschneiderten Greifern, um Entwicklungszyklen drastisch zu verkürzen.
  2. Digitale Lagerhaltung: Bauen Sie digitale Warenlager für die On-Demand-Fertigung von Ersatzteilen auf, um Lagerkosten zu senken und die Kundenverfügbarkeit zu maximieren.
  3. Hybride Fertigung: Entwickeln Sie hybride Fertigungskonzepte, indem Sie traditionelle Verfahren (z.B. CNC-Fräsen) mit additiven Methoden intelligent kombinieren.
  4. Servitization-Strategie: Beginnen Sie die Transformation vom reinen Hardware-Verkäufer zum Service-Anbieter, indem Sie datenbasierte Dienste wie Predictive Maintenance anbieten.

Für die Chemieindustrie bedeutet die Konvergenz mit der synthetischen Biologie eine ähnliche Revolution: Statt auf fossile Rohstoffe zu setzen, können biobasierte und vollständig abbaubare Materialien aus Mikroorganismen „programmiert“ werden, was völlig neue, nachhaltige Wertschöpfungsketten eröffnet.

Kein Mensch ist wie der andere: Wie die personalisierte Medizin die Behandlung von Krankheiten revolutionieren wird

Die Medizin des 20. Jahrhunderts basierte auf dem Prinzip der Standardisierung: ein Medikament für alle Patienten mit einer bestimmten Krankheit. Die nächste Dekade wird von der **Hyper-Personalisierung** geprägt sein. Angetrieben durch die Konvergenz von Genomik, KI und neuen Fertigungstechnologien wird die Behandlung nicht mehr auf die Krankheit, sondern auf das einzigartige biologische Profil des einzelnen Patienten zugeschnitten.

Der Ausgangspunkt dieser Revolution ist die Genomsequenzierung, die heute nur noch einen Bruchteil dessen kostet, was vor zehn Jahren üblich war. Diese Datenflut wird durch KI analysiert, um individuelle Krankheitsrisiken zu identifizieren, die Wirksamkeit von Medikamenten vorherzusagen und personalisierte Behandlungspläne zu erstellen. Es geht darum, die molekularen Ursachen einer Krankheit bei einem spezifischen Individuum zu verstehen, anstatt nur Symptome zu behandeln.

Makroaufnahme einer DNA-Sequenzierung im deutschen Forschungslabor

Die Umsetzung dieser personalisierten Pläne erfordert ebenfalls neue Technologien. Die **synthetische Biologie** ermöglicht die Entwicklung von Zell- und Gentherapien, bei denen die eigenen Körperzellen des Patienten „programmiert“ werden, um Krebs zu bekämpfen. Die **additive Fertigung** kommt bei der Herstellung von maßgeschneiderten Implantaten, Prothesen oder sogar biogedruckten Geweben und Organen zum Einsatz. Man stelle sich ein Knieimplantat vor, das nicht nur in der Größe, sondern auch in seiner Materialstruktur perfekt an die Knochendichte und Belastungsmuster des Patienten angepasst ist.

Für den deutschen Gesundheitssektor, der für seine hohe Qualität und Forschungskompetenz bekannt ist, ergeben sich hier immense Chancen. Die Stärke liegt in der Kombination aus exzellenter medizinischer Forschung, strengen Qualitätsstandards und der ingenieurtechnischen Präzision, die für die Herstellung dieser personalisierten Lösungen erforderlich ist. Die Zukunft der Medizin ist nicht nur digital, sondern auch zutiefst persönlich und datengesteuert.

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Die Farm im Hochhaus: Wie neue Agrartechnologien die Lebensmittelproduktion revolutionieren könnten

Während die digitale Transformation Fabriken und Büros erfasst, steht eine der ältesten Industrien der Menschheit vor einem ähnlichen Umbruch: die Landwirtschaft. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung, schwindender Anbauflächen und den Herausforderungen des Klimawandels sind neue Ansätze für die Lebensmittelproduktion unerlässlich. Die Antwort könnte in der **vollständigen Entkopplung der Landwirtschaft von Boden und Klima** liegen – durch Technologien wie Vertical Farming.

plumage.

Die „Farm im Hochhaus“ ist mehr als nur ein futuristisches Bild. Es ist ein hochtechnologisches, geschlossenes Ökosystem. In vertikalen Farmen werden Pflanzen in gestapelten Ebenen unter perfekt kontrollierten Bedingungen angebaut. Anstelle von Sonnenlicht kommen **energieeffiziente LED-Lampen** mit spezifischen Lichtspektren zum Einsatz, die das Wachstum optimieren. Anstelle von Erde werden oft hydroponische (Nährlösung) oder aeroponische (Nährstoffnebel) Systeme verwendet, die den Wasserverbrauch um bis zu 95 % im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft reduzieren können.

Der entscheidende Faktor ist auch hier die **Konvergenz von Technologien**. Ein Netz aus IoT-Sensoren überwacht kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt und Nährstoffkonzentration. Eine KI analysiert diese Daten in Echtzeit und steuert die Bewässerung, Beleuchtung und Nährstoffzufuhr für jede einzelne Pflanze. Dies ermöglicht nicht nur maximale Erträge auf minimaler Fläche, sondern auch den Verzicht auf Pestizide. Da diese Farmen direkt in Städten oder an deren Rändern errichtet werden können, werden zudem die Lieferketten drastisch verkürzt, was Frische und Nährstoffgehalt der Produkte erhöht.

Für ein dicht besiedeltes und technologieaffines Land wie Deutschland bietet dieser Ansatz enorme Chancen. Er kann die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten reduzieren, die Ernährungssicherheit erhöhen und eine nachhaltige, ressourcenschonende Lebensmittelproduktion direkt am Ort des Verbrauchs ermöglichen. Die Farm der Zukunft ist keine romantische Landschaft mehr, sondern ein präzise gesteuertes Produktionssystem.

Das Wichtigste in Kürze

  • **Konvergenz ist der Schlüssel:** Die größten Durchbrüche entstehen nicht durch einzelne Technologien, sondern an den Schnittstellen von KI, additiver Fertigung und Biotechnologie.
  • **Von Produkten zu Dienstleistungen:** Deutschlands industrielle Stärke wird durch „Servitization“ transformiert – der Verkauf von Ergebnissen (z. B. garantierte Maschinenlaufzeit) statt nur von Hardware.
  • **Dezentralisierung als Chance:** Technologien wie der 3D-Druck ermöglichen „virtuelle Warenlager“ und eine lokale On-Demand-Produktion, die traditionelle Lieferketten überflüssig machen.

Jenseits der Kristallkugel: Wie Sie die Signale des Wandels in Ihrer Branche erkennen und nutzen

In einer Welt exponentiellen technologischen Wandels ist die Fähigkeit, die Zukunft vorauszusehen, kein Luxus mehr, sondern eine Überlebensnotwendigkeit für jedes Unternehmen. Doch wie erkennt man die wirklich relevanten Signale im Lärm der unzähligen Hypes und Buzzwords? Der Schlüssel liegt darin, nicht nach der nächsten „großen Technologie“ zu suchen, sondern nach **Problemen, deren Lösungsansätze sich durch Technologiekonvergenz fundamental ändern**.

Anstatt zu fragen „Was können wir mit KI machen?“, lautet die strategische Frage: „Welches unserer hartnäckigsten Kundenprobleme oder internen Ineffizienzen könnte durch die Kombination von Datenanalyse (KI), flexibler Produktion (3D-Druck) und neuen Materialien (Bio-/Chemietech) auf eine völlig neue Weise gelöst werden?“. Dieser Perspektivwechsel lenkt den Fokus von der Technologie auf den Kundennutzen und das Geschäftsmodell.

Achten Sie auf **“schwache Signale“ an den Rändern Ihrer Branche**. Das sind kleine Experimente, Start-ups oder Forschungsprojekte, die etablierte Annahmen in Frage stellen. Wenn ein Logistiker wie DB Schenker beginnt, sich als On-Demand-Fertiger zu positionieren, ist das ein starkes Signal für jeden Maschinenbauer, dessen Geschäftsmodell auf dem Verkauf von Ersatzteilen beruht. Wenn die Kosten für die Genomsequenzierung schneller fallen als die für Rechenleistung, ist das ein Signal für jeden Akteur im Gesundheitswesen. Die wirklich disruptiven Ideen kommen oft aus branchenfremden Kontexten.

Die Aufgabe für visionäre Unternehmer und Investoren ist es, eine Kultur des strategischen Experiments zu fördern. Bauen Sie kleine, schnelle Prototypen, um Hypothesen über neue Dienstleistungsmodelle zu testen. Arbeiten Sie mit Universitäten und Start-ups zusammen, um Zugang zu den Rändern des Wissens zu erhalten. Die Zukunft wird nicht von denen gestaltet, die perfekt vorhersagen, was kommt, sondern von denen, die am schnellsten lernen und sich an die sich abzeichnenden Realitäten anpassen.

Um erfolgreich zu navigieren, ist es entscheidend zu verstehen, wie man die wahren Signale des Wandels frühzeitig erkennt und strategisch nutzt.

Die nächste Dekade bietet für Deutschland die historische Chance, seine industrielle Führungsposition in ein neues, software- und servicegetriebenes Zeitalter zu überführen. Um diese Chance zu ergreifen, müssen Sie jetzt beginnen, Ihr eigenes Geschäftsmodell durch die Linse der Technologiekonvergenz zu analysieren und die Weichen für die Transformation zu stellen.

Geschrieben von Martin Keller, Dr. Martin Keller ist ein Unternehmensberater und Wirtschaftsanalyst aus Frankfurt mit über 20 Jahren Erfahrung. Er hat sich auf Wachstumsstrategien und die digitale Transformation des deutschen Mittelstands spezialisiert.